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Die Gefährdungsbeurteilung: 7 probate Schritte zum Aufdecken betrieblicher Mängel und Gefährdungen

Die Gefährdungsbeurteilung: 7 probate Schritte zum Aufdecken betrieblicher Mängel und Gefährdungen

Ohne ein geeignetes systematisches Vorgehen ist es schwierig, im Unternehmen alle Mängel zu entdecken, geschweige denn alle zu erkennen. Daher ist die Gefährdungsbeurteilung ein geeignetes Mittel zur Bewertung der im Betrieb vorherrschenden Mängel und Gefährdungen. In § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ist eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen sogar vorgeschrieben.

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

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Das heißt, Sie können einmal Ihre Sicherheitsmängel im Betrieb aufdecken und erfüllen zudem auch gleichzeitig die gesetzlichen Pflichten des Unternehmers. Empfohlen wird dabei ein systematisches Vorgehen, unterteilt in 7 Schritte.

Schritt 1 – Arbeitsbereiche festlegen

Der erste Schritt ist das Festlegen der Arbeitsbereiche und Tätigkeiten. Dazu muss man sich zunächst einen Überblick über die betriebliche Organisation verschaffen, also welche Bereiche existieren und welche Tätigkeiten dort durchgeführt werden. Dabei darf man gleichartige Tätigkeiten mit ähnlichen Gefährdungen durchaus zusammenfassen und sich so etwas Arbeit ersparen. Beispielhaft können Büroarbeitsplätze als ein Arbeitsbereich betrachtet und entsprechend beurteilt werden. Dabei verschaffen Sie sich bereits einen ersten Überblick über mögliche vorhandene Gefahren in den Arbeitsbereichen.

Schritt 2 – Gefährdungen ermitteln

Anschließend folgt der wichtigste Teil der Gefährdungsbeurteilung: die Ermittlung der möglichen Gefährdungen. Dazu muss man wissen, welche Gefährdungen überhaupt auftreten können. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie eine kleine Übersicht als erste Orientierungshilfe.

Bei der Betrachtung einer Tätigkeit werden nun alle möglichen und infrage kommenden Gefährdungen und Belastungen erfasst. Dies impliziert auch Gefährdungen durch technische oder organisatorische Mängel. Die häufigsten Gefährdungen treten bei der Gestaltung und Einrichtung einer Arbeitsstätte, bei dem Einsatz, der Gestaltung und der Auswahl von Arbeitsmitteln, bei der Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitszeiten sowie aufgrund mangelnder Unterweisung und Qualifikation der Beschäftigten auf. Bei gleichen Arbeitsbedingungen mit ähnlichen Gefährdungen genügt es, einen Arbeitsplatz zu betrachten. Beachten Sie aber, dass Sie in bestimmten Fällen verpflichtet sind, personenbezogene Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Dies ist bei besonderer Gefährdung der Mitarbeiter, Schwangeren, Jugendlichen sowie bei chronisch kranken Mitarbeitern (z. B. Asthmatikern) der Fall.

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Schritt 3 – Gefährdungen beurteilen

Sind alle Gefährdungen ermittelt, folgt die Beurteilung der Risiken. Dabei müssen Sie einschätzen, wie hoch das Risiko durch die Gefährdung ist. Das Risiko setzt sich aus Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit zusammen. Bewährt hat sich eine Einteilung der Risiken in 3 Klassen:

  • Die 1. Klasse sind Risiken, die als Restrisiken akzeptabel sind. Das heißt Risiken, die nach der Anwendung von Maßnahmen übrig bleiben und kleiner sind als das Grenzrisiko. Das Grenzrisiko ist das größte noch hinnehmbare Risiko durch eine Gefährdung.
  • Die 2. Klasse stellen Risiken dar, die mittel- bis langfristig beseitigt oder minimiert werden müssen. Das heißt, hier besteht Handlungsbedarf, der jedoch nicht akut ist.
  • In die 3. Klasse werden alle Risiken eingeordnet, die inakzeptabel und nicht hinnehmbar sind. Das heißt Zustände, bei denen die Sicherheit und die Gesundheit akut gefährdet sind. Ist eine Gefährdung hier eingeordnet, ist auch eine sofortige Stilllegung der Arbeit denkbar.

Schritt 4 – Maßnahmen festlegen

Haben Sie alle Gefährdungen eingeordnet, erfolgt die Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen. Diese Maßnahmen werden am sinnvollsten nach dem STOP-Prinzip ermittelt. Das bedeutet, dass als erste Maßnahme eine mögliche Substitution der Gefahrenquelle in Erwägung gezogen werden muss. Ist dies nicht möglich, sollen möglichst technische Maßnahmen ergriffen werden, beispielsweise das Installieren einer Absaugung oder eine Kapselung der Gefahrenquelle. Ist auch dies aus prozesstechnischer Sicht nicht möglich oder ausreichend, müssen organisatorische Maßnahmen ergriffen werden. Dies könnte z. B. eine Expositionszeitbegrenzung des Beschäftigten sein, indem er nur eine gewisse Zeit an der Gefahrenquelle arbeitet und anschließend in einen anderen Bereich wechselt. Sind alle eben genannten Maßnahmen nicht möglich oder ausreichend, darf erst dann zu persönlichen Maßnahmen wie Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) gegriffen werden. Hier muss allerdings eine hinzukommende Beeinträchtigung des Mitarbeiters durch die PSA als neue Gefährdung berücksichtigt werden.

Schritt 5 – Maßnahmen umsetzen

Sind geeignete Maßnahmen gefunden, ist es an der Zeit, diese umzusetzen. Dabei muss zuvor genau festgelegt werden, wer für die Umsetzung verantwortlich ist und bis wann die Umsetzung erfolgen muss, andernfalls haben Sie bei Nichterledigung und Unfall ein Organisationsverschulden.

Schritt 6 – Wirksamkeit prüfen

Wenn alle festgelegten Maßnahmen umgesetzt wurden, gilt es, nach einiger Zeit die Wirksamkeit der Maßnahmen zu prüfen. Dies sollte einmal direkt nach der Einführung der Maßnahmen erfolgen und anschließend in regelmäßigen Abständen. Überprüft wird zum einen, ob der vereinbarte Termin eingehalten wurde, zum anderen natürlich, ob die Gefährdung auch tatsächlich beseitigt werden konnte und ob durch die Maßnahme nicht womöglich neue Gefährdungen entstanden sind. Ist die Gefährdung nicht beseitigt worden, müssen Sie prüfen, wo die Ursache dafür liegt. Anschließend legen Sie neue geeignete Maßnahmen fest, die dann später erneut auf deren Wirksamkeit geprüft werden.

Schritt 7 – Gefährdungsbeurteilung fortschreiben

Erfüllen die getroffenen Maßnahmen ihren Zweck und sorgen für einen sicheren Arbeitsplatz, sollte die Gefährdungsbeurteilung aber nicht einfach beiseitegelegt und abgehakt werden. Arbeitsschutz ist ein ständiger Prozess, der nie zu Ende geht. Daher ist es erforderlich, die Gefährdungsbeurteilungen fortzuschreiben. Dies muss immer dann erfolgen, wenn sich die Betriebsparameter ändern, Unfälle an bestimmten Stellen häufen, neue Verfahren, neue Maschinen, neue Arbeitsmittel oder neue Arbeitsstoffe eingeführt werden. Zudem ist es erforderlich, die Gefährdungsbeurteilung fortzuschreiben, wenn Arbeitsbereiche umgestaltet werden, sich Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisationen ändern oder wenn neue Gesetze und Verordnungen eingeführt werden.

Vergessen Sie nicht die Dokumentation!

Zuletzt ist § 6 ArbSchG zu beachten, in dem es um die Dokumentationspflicht geht. Darin heißt es: „(1) Der Arbeitgeber muss über die je nach Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten erforderlichen Unterlagen verfügen, aus denen das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die von ihm festgelegten Maßnahmen des Arbeitsschutzes und das Ergebnis ihrer Überprüfung ersichtlich sind. Bei gleichartiger Gefährdungssituation ist es ausreichend, wenn die Unterlagen zusammengefasste Angaben enthalten.“

Es sollten also alle Schritte der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden. Die Dokumentation muss nicht zwingend in schriftlicher Form vorliegen, aber ohne ein schriftliches Dokument können Sie im Zweifel keinen Beweis antreten. Führen Sie eine fortlaufende Dokumentation durch, brauchen Sie allerdings nicht das gesamte Dokument erneut parat zu haben; hier genügt ein Verweis auf die anderen Unterlagen.

 

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