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Wie Sie bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen richtig vorgehen

Wie Sie bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen richtig vorgehen

Das Problem „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen“ wird immer wieder thematisiert: Kommen psychische Belastungen in unserem Betrieb überhaupt vor? Müssen wir uns denn wirklich mit diesem Thema beschäftigen? – Ja, müssen Sie, denn in den §§ 4 und 5 Arbeitsschutzgesetz sind die Gefährdungsbeurteilung und die Erfassung der psychischen Belastungen zwingend vorgesehen.

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

Psychische Belastungen sind nicht messbar

Wenn Sie sich intensiver mit der Frage nach der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen beschäftigen, werden Sie sehr schnell feststellen, dass Sie psychische Belastungen nur mit Fragebögen oder durch Beobachtung und Interviews mit den Beschäftigten erfassen können. Für eine eher technisch orientierte Fachkraft für Arbeitssicherheit ist das sicherlich eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Ähnlich wie man mit einem Schallpegelmessgerät den Lärmpegel erfassen kann, wäre ein Gerät klasse, mit dem man an einem Arbeitsplatz den Stresswert ermitteln könnte. Solch ein Gerät gibt es leider nicht und wird es wahrscheinlich auch nie geben.

Psychische Belastungen wie Zeitdruck, belastende Arbeitsunterbrechungen oder inkompetentes Führungsverhalten kann man nicht messen, sondern nur mithilfe von Fragebögen, Interviews und Beobachtungen erfassen.

So ermitteln Sie erfolgreich Gefährdungen durch psychische Belastungen

Am besten geeignet für dieses Thema ist der Arbeitsschutzausschuss, den jedes Unternehmen und jede Zweigstelle mit mehr als 20 Beschäftigten haben muss. Dort sind alle dafür wichtigen Personen anwesend: der Unternehmer, die Personalvertretung, Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsarzt und, wenn erforderlich, dürfen Sie weitere Fachleute hinzuziehen.

Tipp: Versuchen Sie nicht, dieses Thema einer Person allein aufzubürden. Sie würden diese Person sehr stark psychisch beanspruchen und wahrscheinlich überlasten. Eine Person allein kann das Thema für einen Betrieb nicht stemmen.

Welche Bereiche erfasst werden müssen

Generell werden für eine Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich psychischer Belastungen 4 unterschiedliche Aspekte der Arbeit betrachtet:

  1. Arbeitsorganisation
  2. Arbeitsinhalt
  3. Arbeitsmittel und -Umgebung
  4. Soziale Beziehungen

Diese 4 Aspekte werden durch Fragebögen, Interviews und Beobachtungen erfasst und hinterfragt. Die Aspekte, die häufig als negativ ausgeprägt ermittelt werden, müssen Sie bei der Maßnahmenableitung entsprechend betrachten.

 

Psychische Belastungen

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Maßnahmen ableiten, durchführen und bewerten

Überlegen Sie in der Arbeitsgruppe, wie Sie Abhilfe schaffen können. Die beschlossenen Maßnahmen können vielfältig und von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich sein. Wenn die Maßnahmen durchgeführt wurden, müssen sie auf deren Wirksamkeit hin überprüft werden. Als erfahrene Fachkraft für Arbeitssicherheit haben Sie wohl schon gemerkt, dass das Vorgehen dem für die Gefährdungsbeurteilung vorgesehenen Handlungskreis entspricht. Genau wie bei der Beurteilung anderer Gefährdungsfaktoren auch, läuft die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen also in den folgenden Schritten ab:

  1. Planung und Vorbereitung
  2. Erfassung der psychischen Belastungen
  3. Datenauswertung und -Rückmeldung
  4. Setzen von Zielen
  5. Maßnahmenableitung
  6. Maßnahmenumsetzung
  7. Wirkungskontrolle

Richtige Vorbereitung und Verfahren sind das A und O

Versuchen Sie nicht, einfach mal eben an dieses Thema heranzugehen. Für die Gefährdungsbeurteilung zu psychischen Belastungen gilt ganz besonders: Die richtige Vorbereitung ist sehr wichtig. Bereits bei der Planung ist eine Vielzahl von Fragen zu diskutieren und zu beantworten. Vergessen Sie auf keinen Fall, regelmäßig die Beschäftigten zu informieren, um sie mit „ins Boot zu holen“. Sonst werden Sie mit all Ihren Bemühungen kläglich scheitern.

Hinsichtlich des Messverfahrens können sowohl die EN ISO 10075 zu psychischen Belastungen als auch beispielsweise der erprobte Work Ability Index eine effektive Methode sein. Welche für Ihren Betrieb die richtige ist, muss individuell entschieden werden.

10 TIPPS für die Gefährdungsbeurteilung „psychische Belastungen“

  1. Binden Sie die Gefährdungsbeurteilung in vorhandene Strukturen ein, wie z. B. den Arbeitsschutzausschuss.
  2. Messen Sie Belastungen.
  3. Messen Sie zunächst orientierend.
  4. Verwenden Sie ein wissenschaftlich geprüftes Erhebungsverfahren.
  5. Beteiligen Sie Ihre Beschäftigten, um relevante Handlungsfelder zu identifizieren.
  6. Informieren Sie Ihre Beschäftigten mehr als einmal über den aktuellen Stand der Gefährdungsbeurteilung.
  7. Lassen Sie die Daten von einem externen Unternehmen auswerten.
  8. Leiten Sie Maßnahmen in Kleingruppen ab.
  9. Stellen Sie sicher, dass Ihre Führungskräfte ihre Verantwortung übernehmen, aber qualifizieren Sie sie auch dafür.
  10. Stellen Sie sicher, dass die erarbeiteten Maßnahmen auch Wirklichkeit werden.

 

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