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Gefährdungsbeurteilung: So finden Sie den richtigen Handschutz

Gefährdungsbeurteilung: So finden Sie den richtigen Handschutz

Haben Sie daran gedacht? Vor der Auswahl und dem Einsatz von Schutzhandschuhen müssen Sie eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Dabei müssen Sie besonders die folgenden Punkte berücksichtigen: Art und Umfang der Risiken am Arbeitsplatz, Arbeitsbedingungen und gesundheitliche Risiken für den Versicherten. Hier erfahren Sie, welche Besonderheiten Sie beachten sollten!

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

Schritt 1: Brauchen Sie überhaupt Handschutz?

Denken Sie zuerst immer an das Grundprinzip der Schutzmaßnahmen nach dem Arbeitsschutzgesetz in folgender Reihenfolge: Technisch – Organisatorisch – Persönlich. Bevor Sie zum Einsatz von Schutzhandschuhen kommen, müssen Sie geprüft haben, ob Sie nicht die Gefährdungen insbesondere durch technische Maßnahmen vermeiden können. Nachfolgend gehe ich davon aus, dass Sie diese Prüfung erfolglos abgeschlossen haben. Dokumentieren Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, warum Sie zu keiner anderen Lösung kommen als zum Handschutz.

Schritt 2: Art und Umfang der Risiken an Ihrem Arbeitsplatz

Ermitteln Sie die Art und den Umfang der Gefahren, die auf die Hände der Mitarbeiter einwirken können. Mit folgenden Risiken müssen Sie in jedem Fall rechnen:

  • mechanische Einwirkungen, beispielsweise durch Anstoßen, spitze oder scharfe Gegenstände und Strahlmittel
  • chemische Einwirkungen, etwa durch Kontakt mit Flüssigkeiten oder Feststoffen
  • thermische Einwirkungen durch heiße und/oder kalte Materialien, Kontakt mit Strahlungswärme oder offenen Flammen
  • Einwirkung von elektrischem Strom
  • Einwirkung von Vibration
  • Einwirkung von biologischen Gefahren durch Mikroorganismen
  • Kontamination mit radioaktivem Material

Beispiel: Ein Mitarbeiter soll Metallplatten mit einem Entfetter reinigen. In diesem Fall liegen Gefährdungen aufgrund mechanischer Einwirkungen – nämlich Schneiden oder Stoßen an scharfen Gegenständen – und chemischer Einflüsse durch den Entfetter vor.

Sie benötigen theoretisch also einen Chemikalienschutzhandschuh, der vor den Inhaltsstoffen des Entfetters und den Schnitt- und Stichgefahren des scharfkantigen Metalls schützt.

Definieren Sie, welche Gefährdungen auf die Hände einwirken können, legen Sie anschließend das Schutzziel fest, und ermitteln Sie dann, mit welcher Art von Handschuhen Sie dieses Schutzziel erreichen können.

Schritt 3: Geeignete Handschuhe finden

Bei der Auswahl von Schutzhandschuhen müssen Sie nun die Forderungen nach einem bestmöglichen Schutz einerseits und nach Tragekomfort, Tastgefühl und Greifvermögen andererseits miteinander verknüpfen. Das ist nicht immer zu 100 % erreichbar, sollte von Ihnen aber angestrebt werden.

Achten Sie zunächst besonders darauf, dass

  • die richtige Schutzhandschuhgröße ausgewählt wird,
  • die Nähte so ausgebildet sind, dass sie nicht drücken und nicht an Belastungsstellen liegen,
  • die Handschuhe eng anliegen und nicht herunterrutschen können.

Beim Einsatz von Chemikalienschutzhandschuhen müssen Sie darüber hinaus darauf achten, dass

  • die Chemikalie den Handschuh durchdringen kann und deswegen die vom Hersteller vorgegebene Verwendungsdauer nicht überschritten werden darf, (Erklärung: Kein Chemikalienschutzhandschuh schützt zu 100 %. Chemikalien durchdringen im Laufe der Zeit das Handschuhmaterial und heben damit den Schutz auf. Der Zeitraum bis zur Durchdringung wird Permeationszeit genannt. Klären Sie mit dem Handschuhhersteller, wie lang die Permeationszeit eines Handschuhs nach dem Erstkontakt mit einer Chemikalie ist, und verwenden Sie den Handschuh keinesfalls länger!)
  • ein Handschuhmaterial vor einer Chemikalie gut und vor einer anderen gar nicht schützt,
  • Stoffmischungen anders reagieren können als Reinstoffe und Sie deshalb mit dem Hersteller des Handschuhs gemeinsam prüfen müssen, ob ein Handschuh, der gegen die verschiedenen Reinstoffe schützt, bei einem Stoffgemisch genauso wirkt. (Erklärung:Auch Chemikalienschutzhandschuhe bestehen aus Chemikalien. Sie sind nicht gegen jeden Stoff resistent. Es gibt also keinen universellen Chemikalienschutzhandschuh. Vielmehr müssen Sie immer mit dem Hersteller abklären, welcher seiner Handschuhe gegen den von Ihnen eingesetzten Stoff am besten schützt.)

Schritt 4: Bewertung der Handschuhe

Vor der Auswahl von Schutzhandschuhen müssen Sie deren Bewertung vornehmen. Nur so können Sie feststellen, ob die Handschuhe

  1. Schutz gegenüber den abzuwehrenden Gefahren bieten, ohne selbst eine größere Gefahr mit sich zu bringen,
  2. für die an dem jeweiligen Arbeitsplatz vorherrschenden Bedingungen geeignet sind,
  3. den ergonomischen Anforderungen und gesundheitlichen Erfordernissen der Mitarbeiter genügen und
  4. dem Träger passen bzw. in einer für ihn passenden Größe beschafft werden können.

Denken Sie daran, dass es sich hierbei um Persönliche Schutzausrüstung handelt und Sie unter Umständen jedem Mitarbeiter eigene Schutzhandschuhe zur persönlichen Benutzung zur Verfügung stellen müssen. Ausnehmen könnte man hierbei sicherlich Schutzhandschuhe zum gelegentlichen Einsatz am Ofen (zum Schutz vor Hitze) oder zum Umgang mit tiefkalten verflüssigten Gasen.

Verwenden Sie nur richtig gekennzeichnete Handschuhe

Beachten Sie, dass Schutzhandschuhe ordnungsgemäß gekennzeichnet sein müssen, damit Sie diese überhaupt verwenden dürfen. Folgende Angaben müssen sich an dem Handschuh befinden:

  • Name oder Kennzeichen des Herstellers/Lieferers
  • Typenangabe und Modellnummer
  • Größe

Auf jeden Fall muss das CE-Zeichen daran angebracht sein. Handschuhe ohne CE-Zeichen dürfen Sie nicht als Schutzhandschuhe verwenden. Sind die Handschuhe nach Norm hergestellt, muss über entsprechende Piktogramme auch erkennbar sein, vor welchen Risiken der Handschuh schützen soll.

Handschuhe richtig verwenden

Damit Sie die Unterweisung, bezogen auf Ihren Betrieb, ordnungsgemäß durchführen können, müssen Sie für den Einsatz der Handschuhe Betriebsanweisungen erstellen. Diese müssen insbesondere Informationen zur richtigen Anwendung der Handschuhe, zur falschen und/oder verbotenen Verwendung sowie zu deren Pflege und Kontrolle enthalten.

Denken Sie daran, dass Handschuhe nicht im Umgang mit rotierenden Arbeitsmitteln und bei Einzugsgefahren verwendet werden dürfen.

Fazit

Schutzhandschuhe sollen den Menschen vor Risiken schützen. Sie sind aber das letzte Mittel in der Rangfolge möglicher Schutzmaßnahmen und dürfen nur dann zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Möglichkeiten zum Schutz der Beschäftigten ausgeschöpft sind. Bevor Sie Handschuhe einsetzen, müssen Sie ermitteln, wovor geschützt werden soll und welches Handschuhmaterial dafür am besten geeignet ist. Es gibt zwar Handschuhe, die vor verschiedenen Risiken schützen, aber den Universalschutzhandschuh gibt es nicht. Bei Chemikalienschutzhandschuhen müssen Sie die begrenzte Tragezeit beachten. Vor dem Einsatz von Schutzhandschuhen steht die Unterweisung der Beschäftigten, damit diese wissen, wie sie mit dem Handschuh umgehen müssen und dieser zu pflegen ist.

 

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