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Rhetorik – mit intelligenter Kommunikation überzeugen

Rhetorik – mit intelligenter Kommunikation überzeugen

Ihre Worte und Taten als Führungskraft sollten miteinander im Einklang stehen und in jeder Führungssituation angemessen sein. Ihre rhetorischen Fähigkeiten entscheiden darüber, ob und wie Ihre Botschaften ankommen. In einer Unterweisung können Sie als Führungskraft Ihr Verständnis von Arbeits- und Gesundheitsschutz vermitteln, also die Art und Weise, wie Sie den Arbeits- und Gesundheitsschutz verstehen und angewandt wissen wollen.

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

So sorgen Sie für Klarheit und Orientierung bei diesem Thema. Mit Ihrer Rhetorik sorgen Sie dafür, ob und wie dieses bei Ihren Mitarbeitern ankommt. Es geht also um eine intelligente Kommunikation, die der jeweiligen Führungssituation angepasst ist.

Beispiel:

Herr Richter kam seiner Führungsaufgabe nach und führte eine Unterweisung seiner Mitarbeiter durch. Sein Ziel war es, nicht nur die Mitarbeiter zu informieren, sondern auch zu überzeugen und für die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu motivieren. Während seines Vortrags fielen Worte wie „Wir müssen“ oder „Es wird von Ihnen erwartet“, „Ich dulde nicht“, „Es gibt keine Alternative“ etc. Abschließend beendete Herr Richter seinen Vortrag mit den Worten: „Ich freue mich darauf, den Weg mit Ihnen gemeinsam zu gehen.“

Herr Richter war nach seinem Vortrag sichtbar erleichtert und zufrieden. Aus seiner Sicht ist dies auch nachzuvollziehen, schließlich gab es kaum Fragen und Bemerkungen zu seinen Erklärungen oder Einwände gegen seinen Ausführungen. So weit, so gut? – Leider nicht! Denn in den Gesichtern der schweigenden Mitarbeiter war deutlich zu erkennen: „Stell bloß keine Fragen, mach, was man dir sagt, und tu so, als wärst du davon begeistert.“ Von der Freude, den Weg gemeinsam zu gehen, keine Spur! Wie denn auch? Herr Richter hatte seinen Mitarbeitern durch die rhetorische Verpackung der Botschaft einen einseitigen und starren Weg präsentiert. Diese Formulierungen waren nicht gerade ein rhetorischer Aufruf zu Motivation, Mitdenken und Mithandeln. Da konnte auch der Schlusssatz nichts mehr retten. Der Funke sprang nicht über, die Mitarbeiter waren für dieses Thema nicht mehr offen.

Doch es könnte so einfach sein!

Im Alltag wird es immer deutlich: Die Verpackung eines Produkts macht sehr viel aus. Für Sie als Führungskraft ist die Rhetorik die „Verpackung“ Ihrer Botschaft oder Information, also Ihres Produkts. Sie können Mitarbeiter mit perfekt eingesetzter „Verpackung“ überzeugen und mitreißen und so für ein Thema begeistern und öffnen.

Wichtig: Hinter einer guten und ergreifenden Rhetorik muss unbedingt auch eine gelebte Überzeugung deutlich spürbar und auch tatsächlich vorhanden sein.

Wenn Ihrer mitreißenden Unterweisung mit einer ergreifenden Rhetorik keine Taten, sondern im schlimmsten Fall sogar gegensätzliches Handeln folgt, verpuffen die Themen schnell, das Interesse lässt nach und die guten Vorsätze sind im Nu verschwunden verschwunden. Schnell sehen Ihre Mitarbeiter in Ihnen dann eine Art „Schaumschläger“ – und das ist keine Auszeichnung!

Tipp: „Walk your talk!“ – Tue, was du sagst, und sage nichts, was du nicht auch wirklich tun willst!

Ihr Fokus in der Unterweisung sollte neben den konkreten Unterweisungsinhalten auf den Interessen der Mitarbeiter liegen, um sie emotional einzubeziehen und durch ein Wir-Gefühl zur Umsetzung der Unterweisungsinhalte zu motivieren.

Wichtige Aspekte für eine gute Rhetorik

Rhetorisch unbegabten oder unwilligen Führungskräften gehen sehr viele Chancen im Umgang mit den Mitarbeitern verloren, insbesondere bei Unterweisungen, die den Schutz der Mitarbeiter und die Reduzierung der Verletzten- und Krankheitszahlen zum Ziel haben. Für jede Führungskraft sollte deshalb ein Rhetoriktraining obligatorisch sein. Sie als kompetente Führungskraft werden Ihre Fähigkeit, Sprache zielgerichtet und wirkungsvoll einzusetzen, entwickeln wollen:

  • Welchen Anlass haben Sie für Ihre Unterweisung und welche Ziele möchten Sie damit erreichen? Ihre Rhetorik kann noch so gut sein: Wenn Sie mit dem Gesagten an Ihrem Ziel vorbeiargumentieren, werden Sie es nicht erreichen. Sie sollten also neben den Regeln einer guten Rhetorik immer Ihr Ziel vor Augen haben!
  • Achten Sie auf kompakte Sätze. Schachtelsätze und lange Ausführungen gehören nicht in eine Unterweisung. Sprechen Sie in kurzen, prägnanten und vor allem anschaulichen Sätzen.
  • Zu einer guten Rhetorik gehört auch, Kompetenz auszustrahlen. Sprechen Sie daher langsam, reden Sie von Anfang an in Ihrer Tonlage und bleiben Sie ruhig und gelassen. Machen Sie ausreichend Pausen zwischen Ihren Sätzen, und geben Sie so Ihren Mitarbeitern Zeit, über das Gesagte nachzudenken.
  • Eine gute Rhetorik lebt von dialogischem Sprechen. Binden Sie Ihre Mitarbeiter in Ihre Unterweisung mit ein. Stellen Sie Fragen, oder geben Sie den Anstoß, über das eigene Handeln nachzudenken. Auch das Angebot, jederzeit Fragen stellen zu können, kommt bei Ihren Mitarbeitern gut an.

Mit der Einleitung bzw. dem Beginn der Unterweisung stellen Sie den Kontakt zu Ihren Mitarbeitern her und zugleich eine Verbindung zwischen ihnen und dem Unterweisungsthema selbst. Der Auftakt ist dementsprechend sehr wichtig:

  • Identifizieren Sie sich mit dem Thema und zeigen Sie das auch nach außen mit Ihrer Gestik und Mimik. Nur wer mit vollem rhetorischem Einsatz dabei ist, kann auch seine Mitarbeiter begeistern. Ein Möglichkeit, die Rhetorik zu verbessern, finden Sie auf folgender Seite.
  • Formulieren Sie Ihre Sätze − wann immer es geht − positiv, auch wenn Sie etwas Negatives sagen wollen. Bei einer guten Rhetorik werden negative Aspekte in Wünschen, Verbesserungsvorschlägen und Visionen für die Zukunft ausgedrückt.
  • Verwenden Sie rhetorische Stilmittel und einen weiten Wortschatz. Ständige Wiederholungen und trockene Vorträge erschweren nur das Zuhören.

Übungen zur Verbesserung der Rhetorik

  • Wortschatz ausweiten: Schlagen Sie Fremdwörter, die Sie nicht kennen, im Wörterbuch nach, und versuchen Sie, sich diese einzuprägen. Suchen Sie sich einige Wörter gezielt heraus, und versuchen Sie, dazu Synonyme und Assoziationen zu finden. So können Sie Ihren Wortschatz kontinuierlich erweitern.
  • Mimik und Gestik verbessern: Stellen Sie sich vor einen Spiegel und halten Sie eine Rede vor sich selbst. Achten Sie dabei auf Ihre Körpersprache und automatisieren Sie bestimmte Bewegungen.
  • Üben Sie den Gebrauch der wichtigsten rhetorischen Mittel: Klimax, Vergleich, Metapher, Anapher. Nehmen Sie sich ein Thema vor, und versuchen Sie, dazu passende Vergleiche, Metaphern (Sprachbilder wie „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“), Anaphern (Wort- oder  Buchstabenwiederholungen zur Betonung) oder auch eine Klimax zu finden (Steigerung wie „Geld macht glücklich, Familie macht glücklicher, Gesundheit macht am glücklichsten“). Verinnerlichen Sie diesen Sprachgebrauch.
  • Drücken Sie sich positiv aus, auch wenn Sie etwas Negatives zu sagen haben. Schreiben Sie sich dazu Dinge auf, die Sie stören, und versuchen Sie, sie in eine positive Botschaft umzuformulieren.
  • Für eine gute Rhetorik sind Stimmlage und Sprechtempo enorm wichtig. Wer langsam spricht, hat mehr Zeit nachzudenken. Versuchen Sie, einige Minuten vor Ihrer Rede Ihre Stimmlage und Ihr Tempo zu finden, und behalten Sie beides bei.

Die Plauder-Übung

Gehen Sie am besten so vor:

  • Ziehen Sie sich an einen Ort zurück, an dem Sie mindestens eine Viertelstunde ungestört sind. Schauen Sie auf die Uhr. Stoppen Sie die Zeit. Genau eine Viertelstunde – nicht mehr und nicht weniger. Und los geht’s.
  • Plappern Sie drauflos. Was immer Ihnen durch den Kopf schießt. Raus damit! Die Sätze sollten natürlich auch einen Sinn ergeben. Auch wenn in unserem Kopf ein ständiger Monolog abläuft, es ist alles andere als einfach, diesen Monolog bzw. die Gedanken eine Viertelstunde in gesprochene Worte zu fassen.

Und eine Viertelstunde ununterbrochenen Plauderns kann wirklich anstrengend sein. Auch wenn anfangs Ihr Plaudern vielleicht noch etwas holprig ist: Schon nach wenigen Tagen werden Sie merken, dass es Ihnen leicht(er) fällt.

Sie werden sicherer in Ihrer Ausdrucksweise, der Redefluss fällt leichter und Sie verbessern insgesamt Ihre Rhetorik. Aber wie beim Sport gilt auch hier: Schrauben Sie die Anforderungen langsam hoch!

Steigerung 1: Wörter weglassen

Lassen Sie nun alle „und“ weg. Plaudern Sie also drauflos, ohne das Wörtchen „und“ zu verwenden. Das mag jetzt vielleicht einfach klingen, aber das täuscht. Sie können natürlich auch ein anderes häufig verwendetes Wort weglassen. Denn das Drauf losplappern erfordert keine sonderliche Konzentration. Wenn Sie nun aber darauf achten müssen, ein Wort oder mehrere Wörter zu vermeiden, erfordert das eine hohe Aufmerksamkeit. Neben der Rhetorik verbessern Sie bei regelmäßiger Übung damit also auch Ihre Konzentrationsfähigkeit.

Steigerung 2: Themenwechsel

Überlegen Sie sich 3 Themen. Idealerweise sind das Themengebiete, auf denen Sie nicht so bewandert sind – die also nicht unbedingt zu Ihrem Fachgebiet gehören. Dann notieren Sie sich auf einem Blatt 3 Überschriften zu den gewählten Themen. Das sind nun Ihre Vortragsthemen. Wechseln Sie genau nach 5 Minuten zum nächsten Thema. Über eine Materie referieren, in der man nicht so sattelfest ist, stellt eine beträchtliche Herausforderung dar.

Steigerung 3: Aus einer Viertelstunde wird eine halbe

Wenn Ihnen die genannten Schwierigkeitssteigerungen keine besonderen Probleme mehr bereiten, dehnen Sie Ihre Redezeit einfach auf eine halbe Stunde aus – mehr Redezeit, mehr Themen.

Fazit

Die Arbeit an der Rhetorik ist für Sie als Führungskraft unumgänglich. Zum Führen und Unterweisen gehört nämlich eine gute und solide Rhetorik. Ihre Rhetorik muss inhaltlich stark und überzeugend, emotional und immer wertschätzend sein. Das ist ein großer Teil der Führungsintelligenz. Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Rhetorik, trainieren Sie sie, und ziehen Sie einen großen Nutzen aus deren Verbesserung.

 

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