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Stolperfalle Umgangsformen: So gehst du im Arbeitsschutz richtig miteinander um

Stolperfalle Umgangsformen: So gehst du im Arbeitsschutz richtig miteinander um

„Ich denke von dir, wie ich wünsche, dass du von mir denkst. Ich spreche von dir, wie ich wünsche, dass du von mir sprichst. Ich handle dir gegenüber so, wie ich wünsche, dass du es mir gegenüber tust.“ – Diese vielzitierten Grundsätze des guten Benehmens haben auch bei der Arbeit ihre Gültigkeit.

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

Wir verbringen einen Großteil unserer Zeit im Beruf und wollen auch hier mit guten Umgangsformen glänzen. Doch nicht nur der Anspruch bezüglich des guten Benehmens ist berechtigt. Im Beruf sind die Umgangsformen auch aus einem anderen Grund sehr wichtig: Mit deren Hilfe lassen sich kritische Situationen charmant bewältigen. Wer im gesellschaftlichen Umgang hingegen völlig unbewandert ist, kann Kollegen schnell brüskieren und gibt sich unter Umständen selbst der Lächerlichkeit preis. Gerade du als Spezialist in Sachen Sicherheit kannst durch dein Verhalten und deine Umgangsformen viel zu einem guten und sicheren Arbeitsverhalten in deinem Unternehmen beitragen.

Die guten Manieren sind wieder auf dem Vormarsch. Doch was macht tadelloses Benehmen eigentlich aus? Und welche Regeln gelten im Job? Spielt das für meine Schulungen und Unterweisungen auch eine Rolle? Gerade du sollst auf so viele Dinge achten, denn so mancher Fauxpas kann deine Akzeptanz und Autorität in Sachen Sicherheit infrage stellen.

Also, nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Vorgesetzte müssen bestimmte Umgangsregeln beachten. Höflichkeit, Pünktlichkeit oder Rücksichtnahme gelten für alle.

Dein Auftreten

Es ist schön, die Regeln der Etikette zu kennen, doch viel wichtiger sind Herzlichkeit, Taktgefühl und Einfühlungsvermögen. Schlechtes Benehmen kann man durchaus auch bei Menschen antreffen, die großen Wert auf die Einhaltung der Benimmregeln legen.

Es heißt, Takt sei der Verstand des Herzens. Taktgefühl ist sicher das wichtigste Element eines guten Benehmens. Es ist sehr wichtig, sich in die Lage des anderen einzufühlen. Schule daher deine Sensibilität. Nimm deinen Mitmenschen wichtig, und hole ihn da ab, wo er steht. Überfordere andere nicht durch die selbstgefällige Darstellung deiner Talente und deines enormen Fachwissens. Der Begriff „Takt“ kommt nicht von ungefähr aus der Musik: Takt bedeutet, sich auf andere einzustimmen und Schwingungen wahrzunehmen. Ein taktvoller Mensch ist immer ein scharfer Beobachter, der genau registriert, wenn sein Gegenüber betroffen reagiert, auch ohne dass ein einziges Wort gesprochen wurde.

Tipp: In unserer schnelllebigen, internationalen Gesellschaft kann man keine festen, langfristigen Benimmregeln aufstellen. Setze stattdessen dein Taktgefühl ein, um auf die individuelle Situation einzugehen. Oberster Grundsatz: Achte und respektiere deine Mitmenschen! Taktgefühl bedeutet, sich in seine Mitmenschen einzufühlen und das eigene Verhalten auf sein Gegenüber und die Situation abzustimmen.

Du stehst im Fettnäpfchen

Was tun wir nun, wenn wir in das berühmte Fettnäpfchen getreten sind? Zunächst einmal: Wir alle sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. So wie wir Toleranz unseren Mitmenschen gegenüber üben, so machen es die anderen hoffentlich auch uns gegenüber. Möchten wir denn wirklich perfekt sein? Kleine Unebenheiten machen uns menschlich und unverwechselbar. Hast du einen kleineren Fehler gemacht, solltest du diesen so gut wie möglich überspielen. Lächele vor allem, denn das entspannt die Atmosphäre. Wenn du Humor hast und auch einmal über dich selbst lachen kannst, ist alles gleich nur noch halb so schlimm!

Sich entschuldigen

Hast du dich wirklich unhöflich verhalten, solltest du dich auf jeden Fall freundlich und ohne das Gefühl, sich etwas zu vergeben, entschuldigen. Jeder von uns macht Fehler. Fehler sind menschlich!

Und in jedem Fehler steckt Entwicklungs- und Lernpotenzial. Aber oft fällt es uns schwer, Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen. Manchmal auch deshalb, weil Entschuldigungen als Zeichen von Schwäche empfunden werden. Aber das sind sie nicht – im Gegenteil! Sich zu entschuldigen zeugt von Größe und Stärke. Stehe ein für Versprechen, die du nicht gehalten hast, und gib deine Fehler zu – ein Verhalten, das vielen anscheinend schwerfällt. Hast du das Eigentum anderer beschädigt, bringe zum Ausdruck, dass es dir leidtut, und biete Schadensersatz an. Langatmige und wortreiche Entschuldigungen sind oft fehl am Platz, sie geben dem Missgeschick meist einen unnötig hohen Stellenwert. Nachfolgend erhälst du 10 Tipps für die richtige Entschuldigung:

  1. Nicht warten! Wenn du einen Fehler gemacht oder jemanden verletzt hast, warte nicht, bis sich die Person bei dir beschwert. Gehe auf die Person zu.
  2. Entschuldige dich persönlich! Lasse deine Entschuldigung nicht von einer 3. Person übermitteln. Entschuldige dich immer persönlich.
  3. Von Angesicht zu Angesicht! Entschuldige dich in einem persönlichen Gespräch, nicht mit einem Brief oder einer SMS. Diesen Weg kannst du zusätzlich gehen. Also zuerst die persönliche Entschuldigung in einem Gespräch und dann zusätzlich noch in einem Brief. Damit hat der Empfänger deine Entschuldigung auch schwarz auf weiß. Die schriftliche Entschuldigungsvariante kannst du dann wählen, wenn die Person nicht mehr mit dir spricht.
  4. Nicht zwischen Tür und Angel! Wähle den Ort für das Entschuldigungsgespräch bewusst. Es sollte nicht nur am Telefon stattfinden, sondern in einem entspannten Ambiente – irgendwo, wo sich gut reden lässt. Lade beispielsweise die Person, die du verletzt hast, zu einem Essen ein. Die Entschuldigung sollte auf alle Fälle nicht überhastet erfolgen.
  5. Überrasche! Überrasche die betreffende Person. Es muss nichts Großartiges sein – nur ein kleines Präsent. Etwas, mit dem du der Person eine kleine Freude machst.
  6. Sei aufrichtig! Bleibe bei deiner Entschuldigung aufrichtig. Wenn sich bei dir jemand entschuldigt, erkennst du wahrscheinlich auch, ob die Entschuldigung ehrlich gemeint oder nur so dahingesagt ist.

  7. Keine Ausreden! Gib nicht unglücklichen Umständen oder anderen die Schuld für dein Handeln. Suche keine Ausreden. Stehe zu deinen(m) Fehler(n).

  8. Bleibe konkret! Auch das ist nicht so selbstverständlich. Sage genau, wofür du dich entschuldigst. Konkretisiere deinen Fehler. Rede nicht lange darum herum.
  9. Spiele Fehler nicht herunter! Bagatellisiere deine Fehler nicht. Was geschehen ist, ist geschehen.
  10. Mache den Fehler nicht ein 2. Mal! Irgendwann verliert jede Entschuldigung an Wirkung. Wenn man den – selben Fehler ein 2. Mal begeht, verliert man trotz Entschuldigung – und mag sie noch so beeindruckend sein – an Glaubwürdigkeit.

Tipp: Ich bin ja nicht nur Berater, sondern auch Chef. Somit komme ich immer wieder auch in die Situation, dass Mitarbeiter etwas falsch gemacht haben. So etwas hat uns auch schon einmal einen Auftrag gekostet. Soll ich den Mitarbeiter jetzt anschreien oder gar mit Kündigung drohen?! Nein! Nutze die Gelegenheit, und zeige deinem Mitarbeiter, dass du ihn trotzdem respektierst und schätzt. Gib ihm die Gelegenheit, aus dem Fehler zu lernen. Mache aber auch deutlich, dass du erwartest, dass der gleiche Fehler kein 2. Mal gemacht wird, weil du dann Konsequenzen ziehen müsstest.

Tratsch und Klatsch

Mut und Standhaftigkeit sind ganz besonders gefragt, wenn du Zeuge von böswilligem Gerede wirst. Sage klar und deutlich deine Meinung, am besten in Form einer Ich-Botschaft.

Beispiel: „Kollege Schröder ist heute nicht im Büro. Ich finde es nicht richtig, über ihn zu reden, wenn er nicht da ist.“

In einem solchen Fall des Lästerns über Abwesende sind Stillschweigen und Zurückhaltung keineswegs angebracht. Fasse Mut, und sage klar und deutlich, was du von solchem Benehmen hälst. Auch wenn es niemand zugibt, wird dir das die Hochachtung aller Kollegen einbringen. Beteilige dich nicht an solchem Klatsch und Tratsch, indem du in einer Unterweisung über den Unfall oder das Missgeschick eines Kollegen herziehst. Du sollest auf solche Erfahrungen eingehen, aber dabei nicht die Betroffenen durch deine Kommentare noch zusätzlich ins Abseits stellen. Ansonsten kommentierst du unangemessenes Verhalten deiner Mitmenschen in keiner Form. Lenke von einem peinlichen Vorfall ab, wechsele das Thema, oder überhöre geschickt. Vielleicht kannst du das Gesagte bewusst missverstehen, um ihm so die Schärfe zu nehmen?

Unhöflichkeit ignorieren

Natürlich gibt es unangenehme Zeitgenossen, die sich über alle Maßen rüpelhaft verhalten. Im privaten Bereich müssen wir nicht mit jedem Umgang pflegen. Im Berufsleben haben wir es schwerer; hohe Ansprüche an die Kinderstube unserer Mitmenschen können wir hier nicht immer stellen. Doch alles hat seine Grenzen: Einen ausgesprochen unverschämten, beleidigenden Menschen ignoriere ich, soweit es möglich ist. Es ändert sicher nichts, wenn ich mich in einen Streit verwickeln lasse. Es kostet nur meine Energie, meine Zeit und meine Nerven. Selbstbewusst Blickkontakt aufnehmen, schweigen oder gehen ist meist sehr viel wirkungsvoller! Oft hilft es auch, den Rüpel betont höflich zu behandeln – vielleicht wird ihm sein eigenes Benehmen so eher bewusst.

4 Tipps für Führungskräfte

1. Vertrauen statt Kontrollzwang: Pflege einen vertrauensvollen Umgang mit deinem Team. Nichts zerstört die Motivation deiner Leute mehr als permanente Kontrolle. Gründe für Kontrollzwang sind zu 90 % Unsicherheit und Angst. Wo bist du unsicher? Wovor hast du Angst und warum? Selbstverständlich musst du die Arbeitsergebnisse deiner Untergebenen begutachten; Du musst sie schließlich vertreten. Greife jedoch so wenig wie möglich dabei ein, wie deine Mitarbeiter diese erbringen. Kontrolliere erst dann, wenn dafür echte Gründe vorliegen.

2. Ehrlich sein statt taktieren: Du musst deinen Mitarbeitern nicht alles mitteilen, was du weißt oder denkst. Was du ihnen jedoch sagst, muss ehrlich sein. Agiere nicht manipulativ. Sage nicht dem einen dies und dem anderen das. Mache niemandem falsche Hoffnungen. Taktiere nicht. Sehr schnell fällt dann auf, wenn deine Aussagen widersprüchlich oder sogar unwahr sind. Unehrlichkeit sät Misstrauen. Misstrauen wiederum vergiftet die Arbeitsatmosphäre.

3. Integer sein statt einseitig: Integrität bedeutet Anständigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit. Integre Vorgesetzte sind im Umgang mit deinen Mitarbeitern fair. Für sie gilt das Gebot einer gerechten Gleichbehandlung. Deine Mitarbeiter haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn mit unterschiedlichen Maßstäben geurteilt wird. Dies gilt sowohl für Lob als auch für Tadel. Fördern oder befördere niemanden, ohne dass entsprechende Leistungen oder Fähigkeiten offenkundig vorliegen. Tadele oder strafe niemanden für etwas ab, das du anderen Mitarbeitern durchgehen lässt. Einseitige Chefs spalten ein Team. Und ohne ein funktionierendes Team wirst du nicht erfolgreich sein.

4. Uneigennützigkeit oder Egoismus? Die Amerikaner benutzen gerne den Ausdruck „Cherry Picking“, auf Deutsch: „die Rosinen rauspicken“. Wenn ein Vorgesetzter nur die angenehmen Aufgaben übernimmt – Dienstreisen zu netten Orten und Veranstaltungen, Reden halten, die andere für ihn geschrieben haben, Preise entgegennehmen usw. –, fühlen sich die Mitarbeiter nicht ernst genommen. Hilf deinen Mitarbeitern, und übernimm auch einmal Dinge, die unter deiner Würde oder Ebene sind. Ein Vorgesetzter, der mal mit anpackt, wenn Not am Mann ist, wird nicht nur geachtet, sondern auch geliebt.

Fazit

Mitarbeiter, Vorgesetzte, Führungskräfte. Für alle Personen im Berufsleben gelten gewisse Umgangsformen, die eingehalten und umgesetzt werden sollten.

 

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