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Wenn der Mitarbeiter oder Kollege stirbt

Wenn der Mitarbeiter oder Kollege stirbt

Der Tod eines Kollegen trifft die Mitarbeiter immer schwer. Sprachlos, unsicher, hilflos. So reagieren Führungskräfte oft auf den Tod von Mitarbeitern. Jeden Tag ist uns der Tod allgegenwärtig: in den Fernseh-Nachrichten, in der Zeitung oder im abendlichen Krimi. Und doch ist er gleichzeitig so weit weg. Die folgenden Beispiele zeigen, dass der Umgang mit diesen Themen wichtig ist!

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

2 Beispiele: Vor kurzem bekam ich ganz nebenbei das Unfall-Meldeformular eines Unternehmens, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ein Beschäftigter auf dem Heimweg tödlich verunglückt ist. Die Vorgesetzten waren völlig irritiert, als ich fragte, wie sie bisher damit umgegangen seien und in der nächsten Zeit umgehen wollen.

Gestern noch hatten die Kollegen gemeinsam das Sommerfest des Unternehmens begangen. Heute erscheint eine Kollegin nicht mehr zur Arbeit. Auch hier war es ein Verkehrsunfall. Der Prokurist des Unternehmens informierte die Kollegen per E-Mail über den plötzlichen Tod der Mitarbeiterin. Die beiden Kollegen, die sich mit der Verstorbenen das Büro geteilt hatten, beauftragte er, die persönlichen Sachen einzusammeln, damit möglichst schnell Platz für einen Nachfolger da ist. Was passiert eigentlich, wenn plötzlich ein Mitarbeiter verstirbt? Dann wird der Tod sehr schnell persönlich. Führungskräfte und Kollegen sind oft die ersten Ansprechpartner, doch sind sie mit der Rolle des Helfenden oft überfordert. Eventuell ist sogar der unmittelbare Kollege selbst von der Trauer belastet. Wenn Mitarbeiter sterben, verliert ein Unternehmen mehr als nur eine Arbeitskraft. Maschinen lassen sich abschreiben, Menschen aber nicht. Insbesondere als Führungskraft steht man dann vor einer Reihe von Fragen:

  • Wie kommuniziere ich den Todesfall an die Mitarbeiter?
  • Wie gehe ich angemessen mit der Situation um?
  • Sollte ein Vertreter des Unternehmens zur Beerdigung oder zur Trauerfeier erscheinen?
  • Wann darf die Stelle des Verstorbenen neu ausgeschrieben werden?

Obwohl jedes Jahr durchschnittlich 850.000 Menschen in Deutschland versterben – davon immerhin 140.000 im erwerbsfähigen Alter –, wird das Thema Sterben, Tod und Trauer in unserer Gesellschaft oftmals tabuisiert. Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Unternehmen wider. Die Erfahrung von Tod ist für jeden Angehörigen eine starke emotionale Erfahrung und Belastung. Experten sprechen vom stärksten Stress, der einem Menschen widerfahren kann. Dieser Stress lässt sich auch in den Gesprächen der Personalabteilung, des Betriebsrats und der Führungskräfte mit dem Trauernden feststellen. Sehr oft fühlen sich die genannten Führungskräfte sprachlos, unsicher und hilflos. Denn so unangenehm es sein mag: Gerade die Führungsetage muss sich in einer solchen Situation mit den Bedürfnissen des Mitarbeiters auseinandersetzen und für beide Seiten eine zufriedenstellende Lösung finden. Wenn ein Mensch trauert, sind 3 Gruppen im beruflichen Umfeld involviert: die Kollegen, der direkte Vorgesetzte und die Unternehmensleitung.

Den Todesfall an die Mitarbeiter kommunizieren

Teilen Sie ihnen die schlimme Nachricht am besten persönlich mit. Sie müssen dabei nicht von Raum zu Raum gehen, sondern können auch ein kurzes Meeting einberufen. Rechnen Sie damit, dass die Mitarbeiter nicht sofort wieder zum Tagesgeschäft übergehen können, sondern diese Nachricht erst einmal verkraften müssen. Geben Sie ihnen diese Zeit, denn vernünftige Arbeitsergebnisse können Sie nun ohnehin nicht erwarten.

Angemessen mit der Situation umgehen

1. Die Todesanzeige: Viele Firmen greifen hier auf Standardanzeigen zurück, besonders wenn der Verstorbene bereits im Ruhestand war. Das erscheint lieblos, besonders dann, wenn in einer Ausgabe einer Zeitung mehrere Todesanzeigen desselben Arbeitgebers erscheinen. Nehmen Sie sich die Zeit, jede Anzeige individuelle zu gestalten, und signalisieren Sie damit, dass Sie einen wichtigen (ehemaligen) Kollegen verloren haben.

Wird ein Mensch allerdings mitten aus dem (Arbeits-)Leben gerissen, können Sie diese Todesanzeige im Kollegenkreis gestalten – dies wirkt persönlicher und erweist dem Verstorbenen eine letzte Ehre. Keinesfalls sollten Sie die Anzeige für Werbung nutzen und beispielsweise den Firmenslogan dort platzieren. Es hat schon Todesanzeigen gegeben, in denen auf Öffnungszeiten des Unternehmens oder Sonderverkäufe hingewiesen wurde. Das ist pietätlos.

Auch ein Arbeitszeugnis, wie nachfolgend dargestellt, ist absolut unangemessen. Oder wollen Sie nach Ihrem Tod in der Zeitung eine Bewertung Ihrer Arbeitsleistung lesen? Am besten noch – wie im Beispiel – teilweise im „Zeugniscode“. In der Traueranzeige für einen Reproduktionsmediziner habe ich vor einger Zeit den pietätlosen Satz: „Er wird in unseren Werken weiterleben.“ gelesen. Auch sollte der Name des Verstorbenen unbedingt größer als der Firmenname erscheinen. Nicht sehr taktvoll ist auch, in derselben Ausgabe der Zeitung schon mit einer Stellenanzeige nach einem Nachfolger für den Verstorbenen zu suchen.

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2. Persönlich kondolieren: Es gehört zum guten Ton, dass Vertreter des Unternehmens persönlich kondolieren und zur Trauerfeier des Verstorbenen gehen. Achten Sie aber auf Hinweise in der Todesanzeige wie „… s wird gebeten, von Beileidsbekundungen am Grab Abstand zu nehmen …“ und respektieren Sie diesen Wunsch der Angehörigen. Eine angemessene Grabbeigabe wie ein Kranz ist selbstverständlich. Sollte die Familie des Verstorbenen das allerdings ausdrücklich nicht wünschen, sollte das Unternehmen wenigstens durch ein angemessenes Kondolenzschreiben und eine Grabbeigabe Präsenz zeigen. In der Regel erkennen Sie den Wunsch der Familie an Hinweisen in der Todesanzeige wie „Die Beerdigung findet im engsten Familienkreis statt.“

Tipps

  • Klären Sie zunächst ab, an wen das Kondolenzschreiben gerichtet werden muss (Briefanschrift: Bitte möglichst nicht mehr: „Trauerhaus …“, besser: „Familie …“ oder „Frau … und Kinder“).
  • E-Mail, Fax und SMS sind absolut tabu!
  • Keine gedruckten Texte nutzen, bei denen Sie nur noch unterschreiben müssen.
  • Bei Firmen sollten Sie 2 Karten schreiben: eine an die Angehörigen und eine an die Firma – Trauerbriefe haben keine Betreffzeile!
  • Schreiben Sie auf einem hochwertigen weißen Papier und mit schwarzem Stift, möglichst handschriftlich (wenn Sie eine lesbare Handschrift haben). Bitte benutzen Sie kein buntes Firmenbriefpapier, am besten noch versehen mit einem Werbeslogan.
  • Verwenden Sie kein Papier mit einem schwarzen Rahmen, denn das ist ausnahmslos den Angehörigen vorbehalten.
  • Alle Kondolenzbriefe haben einen „persönlichen Charakter“ und sollten so abgefasst werden. Schreiben Sie daher behutsam und gefühlvoll und vermeiden Sie allgemeine Floskeln wie beispielsweise: „Es wird schon wieder … Nun hat er es besser, jetzt muss er nicht mehr leiden …“
  • Zeigen Sie Ihr ehrliches Mitgefühl, aber bitte keine Übertreibungen.
  • Nennen Sie den Verstorbenen im Brief bei seinem Namen (Vor- und/oder Nachnamen).
  • Schreiben Sie eine Würdigung über den Verstorbenen . Bedeutsames oder gemeinsam mit dem Verstorbenen Erlebtes, positive Charakterzüge des Verstorbenen.
  • Verzichten Sie auf Theatralik, formulieren Sie mitfühlend, doch nicht herzzerreißend, benutzen Sie keine Fensterbriefumschläge, keine Freistempel, sondern Briefmarken und achten Sie auf das Motiv der Briefmarke.
  • Bieten Sie den Angehörigen konkrete Hilfe an. Aber nur solche, die Sie auch leisten können.
  • Versenden Sie das Kondolenzschreiben umgehend.

3. Teilnahme an der Beerdigung: Ermöglichen Sie es Ihren Mitarbeitern, an der Beerdigung teilzunehmen, auch wenn eine Abteilung dann vielleicht kurzfristig unterbesetzt ist. Eine Beerdigung ist ein wichtiges Ritual, um sich von einem Verstorbenen zu verabschieden – darauf sollte niemand verzichten müssen. Ich habe Unternehmen erlebt, die für die Beerdigung eines Kollegen den Betrieb ganz oder in Teilen unterbrochen und sogar den Bustransfer zur Trauerhalle organisiert haben.

Ist der Tod des Beschäftigten durch einen Arbeitsunfall verursacht worden, muss es für das Unternehmen selbstverständlich sein, den Hinterbliebenen seine Unterstützung bei den Formalitäten und der Beerdigung anzubieten.

4. Stelle neu besetzen: Schalten Sie nicht sofort am Tag nach dem Tod des Kollegen eine Stellenanzeige, sondern geben Sie sich und Ihren Mitarbeitern Zeit. Nichts ist peinlicher als die Stellenanzeige, die auf derselben Seite wie die Todesanzeige erscheint.

Lassen Sie die Kollegen mitentscheiden, wann ein Nachfolger ins Haus kommen soll, denn sie wissen am besten, ob sie die zusätzlich Arbeit zunächst schultern können. Räumen Sie gemeinsam den Schreibtisch des Verstorbenen aus und bringen Sie private Gegenstände der Familie nach Hause. Dafür, wie lange die durch den Tod eines Kollegen frei gewordene Stelle unbesetzt bleiben sollte, gibt es keine feste Regel. Wichtiger ist es, wie mit der Neubesetzung umgegangen wird. Mitarbeiter verstehen, dass gerade Führungspositionen nicht ewig vakant bleiben können.

Es kann Schwierigkeiten geben, wenn ein Externer die Stelle übernimmt, der kein Gefühl für die besondere Situation hat. Genauso schwierig ist es, wenn ein Interner die Stelle quasi nur wegen des Todes seines Vorgängers bekommt und weder ein Externer noch Interner die Möglichkeit bekommen hat, den Verlust des Vorgängers zusammen mit den Kollegen aufzuarbeiten. Hier ist also Fingerspitzengefühl bei der Wahl der Neubesetzung der Stelle gefragt. Insbesondere sollte der Kollege, der die Stelle neu besetzt, auf die schwierige Situation hingewiesen und dafür sensibilisiert werden.

Fazit

Berater, Mitarbeiter von Personalabteilungen und Beauftragte des betrieblichen Gesundheitsschutzes können in dem Umgang mit Trauer eine wichtige stützende Funktion einnehmen. Doch die wesentlichere Unterstützung muss von den direkten Vorgesetzten, Kollegen und, falls vorhanden, den Gewerkschaftsvertretern oder Betriebsräten kommen. Denn wenn das Thema Trauer unbedacht behandelt und leichtfertig abgetan wird, droht dies die Kollegen und Mitarbeiter abzuschrecken und kann ihnen das Gefühl geben, dass Sie nicht in der Lage sind, Ihr Team verständnisvoll zu unterstützen. Oder es kann sie darin bestärken, das Thema einfach zu ignorieren. Wir brauchen jedoch eine Betriebskultur, die Menschen dazu anregt und befähigt, sich menschlich zu verhalten. Dies dient nicht nur der Motivation, sondern wirkt sich auch indirekt auf die Effizienz der Angestellten aus.

 

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