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Kommunikation mit Auszubildenden: Woran Sie bei der Unterweisung denken müssen

Kommunikation mit Auszubildenden: Woran Sie bei der Unterweisung denken müssen

Die neuen Auszubildenden kommen ins Unternehmen. Jetzt ist die Frage, ob Sie sich kommunikativ darauf einstellen müssen oder nicht. Müssen Sie im Umgang mit Azubis Dinge anders machen als sonst? Eine der wichtigsten Führungseigenschaften ist die kommunikative Kompetenz.

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

Führungsstatus in der Arbeit mit Auszubildenden

Kommunikation: In allen Führungssituationen und Führungsebenen – so auch im Rahmen der betrieblichen Ausbildung – ist die kommunikative Kompetenz sehr wichtig. In dem Moment der Unterweisung nehmen Sie die Rolle des Ausbilders ein und müssen somit einen inneren Standortwechsel vollziehen. Eine Unterweisung langjähriger Mitarbeiter bzw. Mitarbeiter, die seit vielen Jahren im Berufsleben stehen, ist eine ganz andere Situation als eine Unterweisung bei (neuen) Auszubildenden. Oft höre ich in Schulungen Statements wie diese:

„Unterweisung ist Unterweisung. Ich vermittele doch dem Auszubildenden nichts anderes als dem langjährigen Mitarbeiter. Gefahrenpotenziale machen doch keinen Umweg um einen Auszubildenden!“

Doch mit dieser innerlichen Haltung ignorieren Sie ganz klar die veränderte Ausgangssituation. Stets geht es in Unterweisungen darum, Informationen verständlich, vollständig und angemessen zu transportieren. Je besser es Ihnen gelingt, durch eine mitarbeiter- und situationsgerechte Gesprächsführung eine positive Beziehungsebene zum Auszubildenden aufzubauen, desto eher werden Sie Einsicht und eine Verhaltensänderung bewirken. Auf diese Weise erreichen Sie Ihre Ausbildungsziele oder die Ziele Ihrer Unterweisung.

Standortwechsel: Richtiger Umgang mit Auszubildenden

Ein Auszubildender befindet sich in einer anderen Konstellation zum Beruf als die langjährig Beschäftigten. Wesentliche Unterschiede liegen hier in der Fachkompetenz und Lebenslage.

Fachkompetenz

Je nach Ausbildungsjahr ist das bisher erworbene Wissen des Auszubildenden auf einem ganz anderen Niveau anzusetzen als beim ausgelernten und möglicherweise schon erfahrenen Mitarbeiter. Viele Wissenslücken klaffen, das theoretische und praktische Wissen ist noch unvollständig und auch nicht gefestigt. Schließlich sind es Auszubildende und in dieser Tatsache kann man selbstverständlich keinen Fehler finden. Ihnen als Unterweisendem muss in diesem Moment allerdings genau diese Situation bewusst sein. Wenn Sie Beispiele in Ihrer Unterweisung zur Verdeutlichung dieses Umstands heranziehen, so erinnern Sie sich immer wieder daran: Der Auszubildende kann Ihnen möglicherweise in diesem Fall nicht folgen! Stellen Sie also bei der Unterweisung mit Auszubildenden vermehrt Verständnisfragen, um sicherzugehen, dass Ihre Ausführung auch wirklich verstanden wurde.

Tipp: Beachten Sie dabei immer, dass die Qualität der Antwort und des ausgelösten Nachdenkprozesses des Auszubildenden wesentlich von Ihrer Formulierung der Frage abhängt. Überlegen Sie sich Ihre Fragen also vorher, und notieren Sie sich, welche Antworten Sie erwarten.

Lebenslage

Der Auszubildende ist in der Regel in einem Alter, das man als jugendlich bezeichnen kann. Die Denkweise eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen weicht oft von der eines Erwachsenen ab. An dieser Stelle wird der Standortwechsel für Sie zum zentralen Thema!

Die Erfahrungen im Beruf, aber auch die Lebenserfahrungen der Auszubildenden beschränken sich im Vergleich zu einem langjährigen Arbeitnehmer auf einen Bruchteil. Es sind Unterschiede zu erkennen in:

  • Arbeitsweise
  • Interessen
  • Motivation
  • Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten
  • Konfliktbewältigung mit Mitarbeitern und Vorgesetzten
  • Fragen, Problemen und Schwierigkeiten im Betrieb und im privaten Bereich.

Die Arbeitsweisen eines Auszubildenden gründen sich nämlich nicht auf langjährigen Erfahrungen. Es handelt sich um neu Erlerntes, Abgeschautes und dabei auch häufig falsch abgeschautes und fehlinterpretiertes Arbeiten. Bei einer Ausführung Ihrerseits kann Ihnen wahrscheinlich der Auszubildende folgen, aber vielleicht falsch, weil sein kürzlich neu erworbenes Wissen von ihm fehlinterpretiert wurde! Auch an dieser Stelle müssen Sie immer mal wieder zu dem Mittel der Verständnisfrage greifen, um vollständig sichergehen zu können, dass Sie in der Unterweisung mit dem Auszubildenden auf dem richtigen Weg sind.

Die Interessen eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen sind in der Regel andere als die eines Erwachsenen. Die unterscheiden sich häufig und auch die Lebenssituation bringt andere Erwartungen mit sich. Ein Familienvater wird seine Wochenenden z. B. anders verbringen als ein junger Erwachsener ohne eigene Familie. Er wird auch ein anderes Risikoverständnis haben als ein junger Erwachsener ohne familiäre Verantwortung. Hieraus ergeben sich häufig auch eine andere Motivation und Auslegung der Verantwortung für sich und die eigene Gesundheit. Abenteuerlust, Unbekümmertheit und falsche Selbsteinschätzung sind häufig sehr ausgeprägte Züge bei einem jungen Erwachsenen. Fehlende Erfahrungen, eben auch die schlechten Erfahrungen, sowie die Verantwortung nur für sich selbst, nicht aber für eine Familie lassen den Auszubildenden gerne sorglos bis naiv in Gefahrensituationen agieren. Dieses Wissen müssen Sie in die Unterweisung eines Auszubildenden einfließen lassen. Fehlende schlechte Erfahrungen können Sie  beispielsweise mit gutem Video- und Bildmaterial von falschen Verhaltensweisen ausgleichen. Zeigen Sie mit Bildmaterial besonders die Konsequenzen möglicher Fehlhandlungen auf. Versuchen Sie, Ihrem Zuhörer nachvollziehbare Situationen zu schildern und Ihre eigenen Erfahrungen einfließen zu lassen. Das Erzeugen von Bildern im Kopf des jungen Erwachsenen ist nachhaltiger als rein sachliche Worte! Aber übertreiben Sie dabei nicht, denn es geht nicht darum, Ängste zu erzeugen.

Fehlende Konfliktfähigkeit

Ein Jugendlicher oder junger Erwachsener verfügt vielmals über wenige Erfahrungen im Umgang mit Erwachsenen, Vorgesetzten und Mitarbeitern. Daraus ergibt sich nicht selten, dass gerade in schwierigeren kommunikativen Situationen der Fall eintritt, dass der Auszubildende die „Schotten dichtmacht“. Er fühlt sich nicht wertgeschätzt oder nicht richtig verstanden. Hier ist Ihr Fingerspitzengefühl als Ausbilder gefragt. Mit diesen Fragen sollten Sie sich darauf vorbereiten:

  • Wie kann ich das Unterweisungsgespräch am besten planen und vorbereiten?
  • Was verrät mir die Körpersprache meines Gegenübers?
  • Wie kann ich die Dialogbereitschaft des Azubis aktivieren oder verbessern?
  • Und wie kann ich Unsicherheit abbauen, wenn das Gespräch in eine emotional aufgeladene oder in eine gar konfrontative Richtung abgleitet?

Wenn Ihr Azubi spürt, dass Sie sich gut vorbereitet haben, und Sie die Spielregeln wertschätzender Kommunikation einhalten, ist Ihr Gesprächserfolg bereits vorprogrammiert. Viele Betriebe beklagen bei ihren Auszubildenden eine mangelnde Motivation. Ein motivierter Auszubildender ist der beste Garant für eine erfolgreiche Ausbildung und gleichzeitig für ein überlegtes und korrektes Handeln in Gefahrensituationen.

8 Tipps für einen erfolgreichen Umgang mit Auszubildenden

  1. Geben Sie dem Auszubildenden direkt eine Rückmeldung, wenn seine Arbeit bzw. seine Antwort nicht korrekt ist, damit sich dieser Fehler nicht festsetzt.
  2. Überprüfen Sie den Lernerfolg anhand eines kleinen Tests, und nehmen Sie sich ausreichend Zeit, die Ergebnisse des Tests zu analysieren. Solche Tests geben einen guten Überblick über das Verständnis des Auszubildenden und über einen notwendigen Handlungsbedarf.
  3. Handeln Sie bei Wissenslücken zügig. Sprechen Sie mit den direkten Ausbildern, und entwickeln Sie gemeinsam eine Strategie, um die Unterweisung nachhaltig zu machen.
  4. Motivieren Sie den Auszubildenden, denn nichts wirkt sich positiver auf das Verhalten aus als Motivation.
  5. Loben Sie bei richtigen Ansichtsweisen und Antworten. Denken Sie daran, dass der Auszubildende „nur“ in der Schule war und das Arbeitsleben noch nicht kennt!
  6. Fehler sind keine Katastrophe und gehören zum Lernen dazu. Ermutigen Sie den Auszubildenden, es nochmals zu versuchen.
  7. Stellen Sie immer sicher, dass der Lehrling Sinn und Bedeutung der Arbeitsprozesse und der Sicherheitsmaßnahmen erkennt und versteht.
  8. Behandeln Sie den Auszubildenden als gleichberechtigtes Gruppenmitglied und nicht als Laufburschen.

Richtige Kommunikation ist das A&O

Fazit: Eine Unterweisung ist für einen Auszubildenden Neuland und somit für Sie eine Chance, einen guten Bezug zu dem Thema aufzubauen. Sie können mit der Art und Weise Ihrer Unterweisungen die Jugendlichen direkt für das Thema sensibilisieren und von Anfang an in die richtige Richtung lenken ohne den bekannten Spruch „Früher haben wir aber auch nicht …“ Der Auszubildende ist wie ein unbeschriebenes Blatt, das nun mit Arbeitssicherheitsthemen gefüllt werden möchte. Vor einer Unterweisung sollten Sie sich daher stets die Teilnehmerliste ganz genau anschauen und die Auszubildenden darauf markieren. Führen Sie ruhig im Voraus ein kurzes Gespräch mit dem direkten Ausbilder und holen Sie sich Informationen zum Motivationsstand des Auszubildenden und zu seinem bisherigen Verhalten in Sachen Arbeitssicherheit. Gehen Sie in der Unterweisung anders auf die Auszubildenden ein als auf die langjährigen Mitarbeiter. Wenn Sie diesen Punkten nachkommen, sollte einer erfolgreichen und nachhaltigen Unterweisung bei einem Auszubildenden nichts mehr im Wege stehen!

 

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