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7 Gesundheitsfallen am Arbeitsplatz

7 Gesundheitsfallen am Arbeitsplatz

Am Arbeitsplatz lauern zahlreiche Gefahren für die körperliche und psychische Gesundheit. Gefährliche Arbeitsgeräte und -umgebungen, monotone Aufgaben oder auch mobbende Kollegen sind nur ein Teil davon. Du kennst Herrn Stromberg aus der gleichnamigen TV-Serie? Stromberg sagte mal Folgendes: „Ein ständiges Auf und Ab, täglich 8 Stunden. Da kriegt doch jeder irgendwann das Kotzen.“

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Über den Autor

Holger Kück ist Geschäftsführer der KUECK Industries Ltd. Als Sicherheitsingenieur verfügt Holger Kück über langjährige Berufserfahrung. Die Unterweisung von Mitarbeitern gehört zu seinem Tagesgeschäft. Aufgrund eines eigenen Seminargeschäfts hält er für seine Leser Tipps und Methoden bereit, die einfach anzuwenden sind.

So schützt Du Deine Beschäftigten durch die richtige Unterweisung

Abgesehen von der drastischen Wortwahl hat Stromberg aber nicht Unrecht. Arbeit im kollegialen Umfeld hat so ihre Tücken. Nachfolgend beschreibe ich dir einige Tücken, die du im Rahmen von Unterweisungen ansprechen solltest, um Gesundheitsfallen vorzubeugen.

1. Nichts ist geregelt

Falsch! Geregelt ist das sichere und gesunde Arbeiten eigentlich in weiten Teilen. Neben der Pflicht des Unternehmers, Gefahren durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, gibt es inzwischen auch eine Vielzahl Technischer Regeln, BG-Regeln und -Informationen. Diese spiegeln den Stand der Technik wider und zeigen auf, wie sicher und gesund gearbeitet werden kann.

Unabhängig davon solltest du dich von einer Maxime leiten lassen, die schon Julius Maggi zu seiner Arbeitsgrundlage gemacht hat: Arbeitnehmer, die sich wohl fühlen und gesund sind, leisten viel mehr als andere und tragen damit wesentlich mehr zum Erfolg des Unternehmens bei. Stelle dir also immer wieder die Frage, was du tun kannst, damit sich die Beschäftigten bei dir wohl fühlen.

2. Schlachtfeld Büro birgt Gesundheitsfallen

Endlos lange Flure mit rechts und links abgehenden, nummerierten Zimmern, so sehen klassische Bürogebäude aus. Wer hinter den geschlossenen Türen was und in welchem Umfang erledigt, lässt sich nicht so leicht erkennen. Mit modernem Bürodesign will man diesen traditionellen Eigenbrötler-Wohlfühl- Zonen den Kampf ansagen. Offen, transparent und kommunikativ soll die Bürowelt von heute sein. Große Raumeinheiten sollen die Produktivität durch verkürzte Kommunikationswege und bessere Überwachung der Beschäftigten sicherstellen.

Aber genau daran scheiden sich die Geister: Die Gegner der offenen Flächen sprechen von unproduktiven Arbeitsbedingungen, weil der Großraum laut, voll, voll schlechter Luft und mit Einheitstemperatur und -licht ausgestattet ist. Betrachte einmal die Realität im Großraumbüro: Frischluftfanatiker treffen auf Dauerfröstler, Lichtsuchende auf Dämmerungsarbeiter, laute Telefonierer auf lärmempfindliche Menschen, Schreibtischfrühstücker auf Geruchssensible, Parfümierte auf Allergiker.

In einer australischen Studie wurden mehrere internationale Untersuchungen über Büroformen zusammengefasst. Das Ergebnis: 90 % bewerten das Großraumbüro negativ für Psyche und Gesundheit. Die Beschäftigten sind dort schneller gestresst, häufiger erkältet und insgesamt weniger produktiv als in kleineren Arbeitseinheiten.

Ständige Störungen, etwa durch laut telefonierende Schreibtischkollegen, verursachen eine gereizte Atmosphäre und Unzufriedenheit. Die oft angepriesenen kurzen Kommunikationswege, die spontane Einbindung der Kollegen in Arbeitsabläufe, ein ständiger Ideen- und Erfahrungsaustausch finden im Alltag dagegen kaum statt.

Tipp: Wenn du in deinem Unternehmen größere Büroeinheiten hast, solltest du unbedingt mit den dort tätigen Beschäftigten über diese Gefahren sprechen. Eine Unterweisung im Büro muss sich nicht immer um Ergonomie, Kopierer, Toner, Scheren und Kaffeemaschinen drehen. Vielmehr kannst du im Unterweisungsgespräch auch mit den Beschäftigten Gefährdungen durch Störungen und die Arbeitsumgebung herausfiltern und so Gegenmaßnahmen einleiten. Wenn du ein solches Gespräch mal unter die Eingangsfrage „Was ich schon immer mal über meinen Arbeitsplatz sagen wollte …“ stellst, wirst du überrascht sein, welche interessanten Antworten du da bekommst.

3. Unsere Arbeitsplätze sind ergonomisch gestaltet

Im Büro spricht jeder von ergonomischer Gestaltung der Arbeitsplätze. Es müssen die richtigen Stühle und Tische her, Bildschirme sollen richtig ausgerichtet und Stühle auf die richtige Höhe gebracht werden. Aber wusstest du, dass rund ein Viertel aller Krankmeldungen auf Störungen des Bewegungsapparates zurückzuführen sind?

Neulich beobachtete ich in einer Produktionshalle einen Beschäftigten, wie er an einer Werkbank mit einem Graviergerät kleine Metallteile mit Nummern versah. Er saß auf einem kippeligen – in der Verwaltung wohl ausrangierten – Bürostuhl, der auf einem Lattenrost stand. Die Rückenlehne wackelte hin und her, und in etwa 3,5 m Höhe schwebte eine Leuchtstoffröhre, die den Arbeitsplatz erhellte.

Darauf angesprochen, erntete ich ein Schulterzucken und die Frage „Was soll ich denn machen?“ „Haben Sie mal mit Ihrem Vorgesetzten darüber gesprochen?“ „Nein, wieso, was soll das denn bringen?“ – ich setze die Unterhaltung jetzt nicht fort. Da ich gemeinsam mit der Betriebsärztin und dem Personalleiter vor Ort war, wurde der zuständige Meister hinzugeholt. Die Situation wurde besprochen. Jetzt hat der Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz einen für die Produktion geeigneten Stuhl, der auch auf dem Gitterrost sicher steht und über eine Zusatzleuchte verfügt, die für optimale Lichtverhältnisse sorgt. Für besonders kleine Arbeiten steht ihm auch eine beleuchtete Lupe zur Verfügung. Jedes Mal, wenn ich den Mitarbeiter jetzt treffe, bedankt er sich für meine Initiative. Dabei hätte diese auch von ihm ausgehen können.

Zeige den Beschäftigten im Rahmen von Unterweisungen, dass sie auf Störungen und Probleme am Arbeitsplatz aufmerksam machen müssen, damit für Abhilfe gesorgt werden kann. Streng genommen, gehört das zur Mitwirkungspflicht der Beschäftigten nach dem Arbeitsschutzgesetz.

4. Unterschätzte Gefahren

In einem Betrieb haben sich vor kurzem 2 Beschäftigte schwere Verätzungen an den Händen zugezogen. Sie sollten Aufkleberreste von Kunststoffboxen entfernen. Mit dem ihnen zur Verfügung gestellten Mittel dauerte es ihnen zu lange. Deswegen besorgten sie sich aus dem Baumarkt etwas „Schärferes“. Zur Sicherheit zogen sie unter die gelben Arbeitshandschuhe noch ein Paar „Aids-Handschuhe“.

Sie merken schon an der Beschreibung, was sich dort abgespielt hat. Die Beschäftigten wollten einerseits schneller sein und effektiv arbeiten, wussten aber andererseits nicht, was sie da tun. Die gelben Handschuhe waren keine Chemikalienschutzhandschuhe, sondern lediglich getauschte Schutzhandschuhe zum Schutz vor geringen mechanischen Risiken und leichter Feuchtigkeit. „Aids- Handschuhe“ schützen auch nicht vor Chemikalien.

Der Vorgesetzte hatte ihnen einen Reiniger gegeben, der lösemittelfrei war und mit Tüchern verarbeitet werden sollte. Dafür hätten die gelben Handschuhe vermutlich ausgereicht.

Im Rahmen der Unfallnachbetrachtung hinterfragt, kamen dann Sätze wie „Wir haben es doch nur gut gemeint … .“ Es stellte sich aber auch heraus, dass die beiden Mitarbeiter nicht im Umgang mit Chemikalien und Schutzausrüstung unterwiesen waren. Im gesamten Unternehmen herrschte die Meinung, mit eigener Initiative Produktionsabläufe individuell umgestalten und optimieren zu können. Das geht natürlich nicht!

Im Rahmen von Unterweisungen musst du die Beschäftigten mit möglichen Gefahren im Betrieb vertraut machen. Du solltest auch das Potenzial der Beschäftigten nutzen und Ideen und Verbesserungsvorschläge einfordern. Aber du musst dabei deutlich machen, dass niemand eigenmächtig Abläufe verändern darf, sondern dass das immer nur unter Berücksichtigung und Bewertung der daraus möglicherweise entstehenden, neuen Gefahren geschehen darf.

5. Burnout: Gefahr durch Unterforderung und Überlastung

Eine Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter 20.000 Beschäftigten ergab bereits schon im Jahr 2006, dass etwas zwei Drittel der Deutschen mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. Rund 20 % der Beschäftigten arbeiten sogar mehr als 48 Stunden pro Woche, weil sie mehr als einen Job haben. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt zu sein. Gut 60 % der Befragten empfanden eine generell verstärkte Arbeitsintensität als belastend. Wirklich krank durch das fordernde Berufsleben fühlen sich nach dieser Befragung aber nur etwa zehn % der Arbeitnehmer. Erschöpfung und Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden (s. o.).

6. Stress durch Gesundheitsfallen

Arbeitnehmer sollten 30 bis 40 % ihrer Arbeitszeit für unvorhergesehene und spontane Aufgaben reservieren. Außerdem sollten sie pro Arbeitsstunde etwa 5 Minuten Pause einkalkulieren, um entspannt, aber auch leistungsfähig durch die Woche zu kommen. Als Unternehmensberater verbringe ich einen großen Teil meiner Tätigkeit in anderen Unternehmen, ich arbeite vor Ort. Meine Termine macht mein Sekretariat. Aber ich halte mir einen Tag in der Woche als „Bürotag“ in meinem Kalender frei. An diesem Tag lese ich die Post, arbeite Akten ab und beschäftige mich mit administrativen Dingen, die auch erledigt werden müssen.

In der Realität sind viele Beschäftigte, vor allem Angestellte im Büro schon froh, wenn sie das planmäßige Tagespensum ohne Überstunden bewältigen können.

Tipp: Sensibilisiere die Beschäftigten im Rahmen von Unterweisungen für Folgendes: Wer sich ständig die Mittagspause verkneift oder jede Bürobesprechung als zeitraubende Störung betrachtet, hat eindeutig zu viel Arbeit am Hals. Er muss mit seinem Vorgesetzten darüber reden.

Andererseits, wer aber am Arbeitsplatz überwiegend Däumchen dreht, weil nur gelegentlich etwas zu tun ist, wird diese Ruhe nur kurz als Genuss empfinden. Auf Dauer wird die Langeweile zum Psychostress, zum „Boreout“, dem Leiden durch Langeweile. Solche Personen wenden nämlich sehr viel Energie dafür auf, nach außen hin beschäftigt zu wirken, gleichzeitig haben sie Angst, dass ihre Unterbeschäftigung entdeckt wird und ihr offenbar überflüssiger Arbeitsplatz dem Rotstift zum Opfer fällt.

Eine solche Tätigkeit, die einerseits zwar beschäftigt, den Menschen aber zu wenig beansprucht, frustriert und führt irgendwann zur „inneren Kündigung“. Ohne Freude an der Arbeit oder Anerkennung für ihre Tätigkeit kommen Menschen auf Dauer auch nicht klar.

7. Miese Stimmung und unliebsame Kollegen

Ob cholerische Vorgesetzte, Mobbing oder Kollegen, die durch Mund- oder Körpergeruch am Arbeitsplatz auffallen, reichen die „Belästigungen“ am Arbeitsplatz, die zu einem großen Teil zu psychischen Störungen beitragen. Jeder 10. Krankheitstag deutscher Arbeitnehmer wird inzwischen damit begründet. Zwar hat die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland stark abgenommen, aber der psychische Druck auf die Beschäftigten nimmt weiter zu.

Zwischen 3 % und 7 % aller Beschäftigten geben an, Mobbing durch Kollegen und Vorgesetzte ausgesetzt zu sein. Dieser fortwährende Druck führt dabei nicht nur zu weniger Leistung, sondern auch zu psychosomatischen Störungen oder Depressionen bis hin zum Selbstmord.

Achtung: Die zwischenmenschliche Tonart, die in einem Betrieb herrscht, gibt das Führungspersonal vor. Lässt der Chef eher selten Wertschätzung für seine Mitarbeiter erkennen, setzt sich das auch an den Schreibtischen fort. Kollegen mit fachlichen oder persönlichen Schwächen können dann sehr leicht zu Opfern von Ausgrenzung oder Schikane werden.

Forscher aus Jena fanden heraus, dass das sogenannte Sick-Building-Syndrom, also Reizungen der Atemwege, Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche, weniger von belastenden Baustoffen oder Elektrosmog herrührt, als vielmehr vom gefühlten Mief in einem Büro. Manchmal kann also auch ein moderiertes Gespräch zwischen Beschäftigten zu einem reinigenden Gewitter und damit einem angenehmeren Arbeitsklima führen.

 

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