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Gehörschutz auswählen und benutzen

Gehörschutz auswählen und benutzen Lärm

Lärm ist eine der Gesundheitsbelastungen, die am häufigsten auftreten. Maschinen, Geräte, Anlagen und viele am Arbeitsplatz verwendete Werkzeuge verursachen Lärm. Die Folgen sind körperlich wie seelisch spürbar: Lärm macht krank. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, beim Beurteilen der Arbeitsbedingungen auch den Faktor Lärm zu berücksichtigen. Hier erfährst du, welche Punkte es zu berücksichtigen gilt.

Dazu musst du die Tages-Lärmexpositionspegel sowie die Spitzenschalldruckpegel an den Arbeitsplätzen ermitteln. Bei Überschreiten sogenannter Auslösewerte musst du Schutzmaßnahmen festlegen.

Wann Gehörschutz getragen werden muss

Die Grenzwerte für einen verpflichtenden Gehörschutz sind mit der Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) strenger geworden (siehe nebenstehende Tabelle).

Gebotszeichen Gehörschutz benutzen

Untere und obere Auslösegrenze bezeichnen in der LärmVibrationsArbSchV festgelegte Lärmpegel, ab denen bestimmte Maßnahmen vorgeschrieben sind.

Lärmbereiche sind Arbeitsbereiche, in denen der obere Auslösewert erreicht oder überschritten wird. Sie sind zu kennzeichnen (s. Grafik), gegebenenfalls mit Zusatzinfos oder als kombiniertes Gebot „Augen- und Gehörschutz tragen“.

Der Tageslärmexpositionspegel ist die Menge Lärm, der ein Mitarbeiter gemittelt über eine 8-Stunden-Schicht am Arbeitsplatz ausgesetzt ist. Die Einheit ist dB für Dezibel. Der Buchstabe A deutet an, dass berücksichtigt wird, dass das Hörempfinden des Menschen bei verschiedenen Frequenzen unterschiedlich ist.

Der Spitzenschalldruckpegel ist der höchste Schallpegel, dem ein Mitarbeiter ausgesetzt ist. Die Einheit dB (C) besagt, dass die relative Empfindlichkeit des Ohrs für verschiedene Frequenzen hier nicht gewichtet wird, es geht nur um den Maximalwert.

Die maximal zulässigen Expositionswerte (MZE) sind diejenigen Pegel, die mit korrekt angelegtem Gehörschutz nicht überschritten werden dürfen.

Überprotektion bezeichnet eine zu hohe Schalldämmung, welche das Erkennen von Geräuschen, Signalen und Sprache unnötig erschwert. Die Gefahr ist, dass der Beschäftigte bei einer solchen Belastung infolge von „Nichts-mehr-Hören“ den eigentlich notwendigen Gehörschutz ablehnt und nicht oder nicht auf korrekte Art und Weise anwendet.

Die folgende Tabelle nennt die wichtigsten der nach der LärmVibrationsArbSchV vorgeschriebenen Lärmschutzmaßnahmen:

Lärmschutz

 

Gehörschutz

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Welcher Gehörschutz wann und wo zweckmäßig ist

Gehörschutz ist laut TOP-Prinzip immer als letzte Maßnahme in Betracht zu ziehen. Zuerst musst du prüfen, ob technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz vor Lärmbelastung greifen. Erst danach erfolgt gegebenenfalls eine Entscheidung, den Beschäftigten einen persönlichen Gehörschutz anzubieten oder diesen anzuordnen (s. o.). Die Auswahl ist groß, nachfolgend die wichtigsten Modelle mit Vor- und Nachteilen:

Gehörschutzstöpsel werden sinnvollerweise dann eingesetzt,

  • wenn Brillenträger Gehörschutz tragen müssen,
  • wenn der Lärm an einem Arbeitsplatz anhaltend und von langer Dauer ist,
  • wenn das Benutzen von Kapselgehörschützern die Mitarbeiter anderweitig belastet, z. B. weil sie darunter zu sehr schwitzen,
  • wenn das Tragen von Kapselgehörschützern mit anderen PSA-Elementen kollidiert wie z. B. Helmen, Atemschutz oder Schutzbrillen,
  • für Tinnitus-Patienten (in Absprache mit dem Arzt).

Schon einfache Wegwerf-Stöpsel aus Schaumstoff oder wachsgetränkter Watte schützen vor Lärm. Hochwertigere Modelle aus Silikon oder weichen Kunststoffen mit Lamellen und Spezialfiltern zur Innenohr-Belüftung werden mehrfach verwendet. Nützlich sind Stöpsel mit Verbindungsbügel oder -schnur. Sie können in kurzen Lärmpausen herausgenommen werden, ohne verloren zu gehen.

Achtung: Bei Arbeiten an Maschinen mit beweglichen Teilen sind solche Schnüre jedoch tabu.

Kapselgehörschützer sind die kopfhörerartigen Aufsätze (oft „Micky Maus“ genannt), die mit einem Kopf- oder Nackenbügel gehalten werden. Sie sind zu empfehlen,

  • wenn der Aufenthalt in einem Lärmbereich oder die Lärmbelastung nur von kurzer Dauer ist (und Beschäftigte ihren Gehörschutz daher oft auf- und absetzen),
  • wenn Mitarbeiter Ohrstöpsel schlecht vertragen, z. B. wegen zu enger Gehörgänge,
  • wenn das Tragen von Ohrstöpseln zu Entzündungen oder anderen Beschwerden des Gehörgangs führt.

Kapselgehörschützer gibt es in diversen Ausführungen, lasse dich je nach Einsatzzweck beraten. Es gibt leichte Modelle mit hohem Tragekomfort, die sogar faltbar und somit leicht zu transportieren sind. Ein reflektierendes Trageband erhöht die Sichtbarkeit des Trägers bei schlechten Lichtverhältnissen. Weniger empfehlenswert sind Kapselgehörschützer an Hitzearbeitsplätzen. Der Nachtteil aller Kapselgehörschützer ist, dass sich Schallquellen vom Träger schlechter orten lassen.

Wenn trotz Lärmbelastung und Gehörschutz Gespräche zwischen Beschäftigten möglich sein sollen, solltest du die Anschaffung von Kapselgehörschützern mit pegelabhängiger Schalldämmung erwägen. Diese Modelle dämmen laute Geräusche, verstärken jedoch leise Geräusche. Das erleichtert das Sprechen miteinander, in Lärmpausen ermöglichen sie ein nahezu normales Hörgefühl, ohne den Gehörschutz abnehmen zu müssen.

Für Arbeitsplätze, an denen jederzeitige Kommunikation gefragt ist, bieten Hersteller Modelle mit eingebautem Sprechfunk an. Für monotone Arbeiten gibt es eingebaute Radiogeräte. Radiohören solltest du jedoch nur dann erlauben, wenn dadurch keine Unfallrisiken erhöht werden.

Am höchsten ist der Tragekomfort und damit die Trageakzeptanz bei den sogenannten Otoplastiken. Das sind nach einem Ohrabdruck gefertigte und somit dem Gehörgang des Trägers individuell angepasste Gehörschutzelemente. Sie werden im Ohr getragen,

  • wenn Beschäftigte Stöpsel nicht vertragen und Kapselgehörschützer nicht geeignet sind,
  • wenn bereits eine Lärmschädigung mit Hörverlust eingetreten und daher ein besonders sicherer Schutz vonnöten ist.

Otoplastiken müssen seitenrichtig eingesetzt werden, um ihre Schutzwirkung voll zu entfalten. Rechtes und linkes Element dürfen nicht vertauscht werden. Sie sollten mindestens alle 2 Jahre überprüft werden.

Wenn es am Arbeitsplatz besonders wichtig ist, dass Mitarbeiter trotz Gehörschutz Sprache und akustische Signale verstehen, frage deine Fachberater nach Modellen mit flacher Schalldämmkurve. Das bedeutet, dass die schalldämmende Wirkung über den gesamten Frequenzbereich gleichmäßig erfolgt, die Akustik bleibt möglichst unverfälscht.

Auch für Beschäftigte mit leichten Gehörschäden sind solche Modelle oft die beste Wahl. „Ear Monitoring“ dämmt Umgebungslärm und führt gleichzeitig optimierten Sound ans Ohr. Musiker und Bühnenprofis nutzen solchen „intelligenten“ Gehörschutz.

Achtung: Wenn ein Gehörschutz drückt oder juckt oder gar Schmerzen verursacht, ist er die falsche Wahl oder wurde nicht korrekt eingesetzt.

Tipp: Bevor du Gehörschutz in großen Stückzahlen beschaffst, lasse dir Muster kommen. Gib diese an zuverlässige Mitarbeiter für Trageversuche weiter und sammele deren Feedback. Gehörschutz ist grundsätzlich vom Arbeitgeber zu bezahlen.

So geht’s: Ohrstöpsel richtig einsetzen

Alle Modelle schützen nur dann, wenn sie richtig getragen werden. Und nur bei korrektem Sitz werden die Dämmwerte erreicht, die der Hersteller angibt. Das ist gerade bei den vermeintlich einfach zu handhabenden Stöpseln nicht immer der Fall. Lasse daher das korrekte Einsetzen nach folgender Anleitung üben:

  • Ohrstöpsel nur mit sauberen Fingern einsetzen (keine Schmutzreste in den Gehörgang schieben!).
  • Den Schaumstoff mit den Fingern drehen und zu einer dünnen Rolle formen.
  • Den zusammengerollten Stöpsel in den Gehörgang und sofort an die richtige Position schieben.
  • Nicht vergessen: Nach dem Einsetzen mit dem Finger fixieren, bis der Stöpsel sich vollständig an das Ohr-Innere angepasst hat (mindestens 10 Sekunden).

TIPP:  Wer sich beim Einführen schwertut, kann mit seiner anderen Hand über den Kopf greifen und das Ohr etwas nach oben ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.

 

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